„Frankfurter Neue Presse“
Von kleinen und größeren Gemeinheiten
Friedrichsdorf. Nun hat auch dieser neue, äußerst viel versprechende Trend aus Amerika endlich Deutschland erreicht. Sicher kann man über viele USA-Importe geteilter Meinung sein, aber dieser hier kann unser Leben unerhört bereichern, richtig angewandt tun sich einfach unglaubliche Möglichkeiten auf – endlich ein Leben als Sieger, als Alpha-Männchen! Wie wir auf diese Überholspur gelangen und mit welch simplen Mitteln jeder von Erfolg zu Erfolg eilen kann, erläuterte Gerd Richter am Samstagabend in Garniers“ Keller.
Mit „Einfach mobben?!“ stellte der Kabarettist ein elementares und effektives Programm vor, um sich in den Widrigkeiten des Alltages zu behaupten. Denn gemobbt wird ja nicht nur im klassischen Mobbing-Feld, dem Beruf. Schon längst haben sich die Rangeleien vom morgendlichen Frühstück mit der Familie bis hin zur abendlichen Heimfahrt mit der S-Bahn auf unseren gesamten Alltag ausgebreitet. Sieger kann nur sein, wer sich in diesem täglichen Boshaftigkeiten und Existenzkämpfen am besten bewährt, also wer am geschicktesten mobbt.
Da sollte man doch nun endlich einmal jegliche Scheu ablegen und sich nur noch fragen: „Was zeichnet eigentlich einen guten Mobber aus?“ Laut Fachmann Richter ist die Antwort ganz einfach: „Er mobbt besser als seine Mitmobber!“ Also gilt es sich zu informieren, sich weiterzubilden und Strategien zu entwickeln. Gerade hier nun setzten diese wunderbaren Seminare an, die bereits in den USA der große Hit seien. Sie tragen so viel versprechende Titel wie „Mobben leicht gemacht“, „Wie mobbe ich richtig“ oder hierzulande auch sehr beliebt: „Wie werde ich vom Gemobbten zum Mobber?“.
Kleinliche Bedenken sozialer Art stören da nur, wer hält sich heutzutage denn noch an die Umgangsformen. Das seien, so Richter, wörtlich genommen ja doch nur „Formen, die umgangen werden“, wozu also sich lange damit aufhalten. So wird endlich auch der Weg nach oben frei, zu Gesundheit und Wohlstand. Kein beruflicher Ärger mehr, der auf den Magen schlägt, egal ob nerviger Chef oder konkurrierender Mitarbeiter, endlich gibt es die richtige Strategie für jede Schwierigkeit.
Aber auch im Alltag würde Mobbing einfach der Seele gut tun, überall fänden sich Gelegenheiten, das Selbstwertgefühl auf Kosten anderer zu stärken. Partnerschaft und Ehe, Weihnachten und Familienfeiern, Schlussverkauf und Ebay, Dichterlesung oder Weight Watchers Treffen, alles eignet sich für einen Angriff aus dem Hinterhalt.
Ausgefeilte Ratschläge zu Taktik und Wortwahl lieferte Gerd Richter seinen Zuhörern in lockerer Reihenfolge, kaum einen Bereich sparte er dabei aus. Auch die Politiker nahm er aufs Korn, angefangen von Adenauer über Schröder bis hin zu Merkel bescheinigte er ihnen allen besondere Qualitäten als Profi-Mobber. So viel erdachte Boshaftigkeiten würde man wiederum ihm selbst gar nicht zu trauen, erscheint Richter doch zunächst eher harmlos als hinterlistig. Dezent schwarz gekleidet wirkte der Kabarettist wie ein seriöser Familienvater über 50, als der er sich seinem Publikum zunächst auch vorstellte. Er sah aus wie jemand, der keine Fliege mobben könnte, doch dann reihte er scheinbar mühelos eine boshafte Empfehlung an die nächste, ließ seinen Witz fast beiläufig spielen und zeigte genüsslich auf, wo und wie sich kleine und größere Gemeinheiten mühelos platzieren lassen.
2. Solo-Programm
"SCHWEIN ODER NICHT SCHWEIN ?!"
"Es geht aufwärts mit den Abgründen"
(Info s. schwein oder nicht...)
PREMIERE: Oktober 2011